100 Jahre Bauhaus: Alles zum Design-Jubiläum

Bauhaus-Jubiläum Design-Stil

2019 steht die Design-, Kunst- und Architekturwelt ganz im Zeichen des berühmten Bauhaus-Stils, feiert dieser doch das 100-jährige Bestehen.

Selbst wer nicht direkt mit Design, Kunst und Architektur zu tun hat, wird schon das eine oder andere Mal vom Bauhaus-Stil gehört haben. Der ikonische Design-Stil, der sich sowohl in Wohnzimmermöbeln als auch in Fabrikhallen und modernen Kunstwerken widerspiegelt, feiert dieses Jahr sein 100-jähriges Jubiläum. Grund genug, sich etwas näher mit Bauhaus, dem Entstehen und vor allem dem Einfluss auf die Welt zu beschäftigen.

Hier werfen wir einen Blick auf 100 Jahre Bauhaus, die Entstehungsgeschichte, wichtige Vertreter des Stils, unverkennbare Design-Merkmale und Gebäude, die im Rahmen des Jubiläums ins Scheinwerferlicht gerückt sind. Zudem zeigen wir, wie du ein wenig Bauhaus-Flair in deine eigenen Designs bringen kannst.

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Die Geschichte des Bauhaus-Stils

Der Bauhaus-Stil hat eine bewegte Geschichte, so musste die anfangs gegründete Hochschule mehrmals umsiedeln und wurde danach als Gedankengut in die Welt getragen. Auch die anfänglichen Design-Ansätze haben sich mit der Zeit verändert und sind zu dem geworden, was man heute unter Bauhaus versteht. Hier ist ein kurzer geschichtlicher Überblick.

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Die Entstehung von Bauhaus

1919 gilt quasi als Geburtsjahr des Bauhaus-Stils, da damals der Berliner Architekt Walter Gropius die berühmte Hochschule „Das Staatliche Bauhaus” in Weimar gründete. Es gab aber schon vor Gropius einen wichtigen, weit weniger bekannten Wegbereiter. Bereits 1902 wurde der belgische Architekt und Designer Henry van de Velde nach Weimar bestellt, um eine Art Design-Labor aufzubauen und die dortige Kunstszene aus dem Goethe-Schlaf zu erwecken. Das daraus entstandene „Kunstgewerbliche Seminar” wendete schon 17 Jahre vor der Gründung des Bauhauses viele der später typischen Prinzipien an. 1915 musste Van de Velde aber als Ausländer aufgrund der politischen Lage in die Schweiz flüchten und schlug Walter Gropius als Nachfolger vor. Die Stelle konnte dieser aber aufgrund des Ersten Weltkrieges erst 1919 antreten.

Ziel der neuen Bauhaus Hochschule für Gestaltung unter der Leitung von Gropius war es, verschiedene Handwerks- und Kunstdisziplinen miteinander zu verbinden, um so ein interdisziplinäres Gesamtbild zu erschaffen. Eine revolutionäre Denkweise, da bisher verschiedene Sparten grundsätzlich einzeln gelehrt wurden. Den Bauhaus-Studenten wurde somit von Beginn an eine sehr experimentelle Lernmethode mitgegeben, die deren persönlichen Stil nachhaltig prägte.

Das Bauhaus als Hochschule in Weimar gab es allerdings nur 14 Jahre lang, aber die Liste berühmter Professoren kann sich sehen lassen. So unterrichteten etwa bekannte deutsche Künstler und internationale Design-Größen wie Wassily Kandinsky, Paul Klee, László Moholy-Nagy, Anni Josef Albers, Oskar Schlemmer, Johannes Itten und Gertrud Grunow.

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Ein neuer Anfang in Dessau und weltweit

1925 musste das Bauhaus in Weimar aufgrund politisch bedingter Finanzierungsprobleme die Pforten schließen und zog weiter nach Dessau. Mit dem Umzug und einem Direktorenwechsel kam allerdings auch ein Wandel des Bauhaus-Stils: Waren die Anfangsjahre eher expressionistisch und etwas esoterisch angehaucht, stand ab 1928 die Technik und Wissenschaft im Vordergrund. Der Schwerpunkt lag von da an noch mehr auf dem Entwerfen und der Herstellung von praktischen Alltagsgegenständen und das Lösen von Industrie-Problemen. Viele der bekanntesten und prägendsten Möbelstücke entstanden in dieser Zeit.

1932 besiegelte allerdings das endgültige Aus der Bauhaus-Hochschule mit dem Aufschwung des Nationalsozialismus wurde auch die Schule in Dessau geschlossen. Versuche, sie noch länger in einer alten Fabrik weiterzuführen, scheiterten langfristig ebenfalls.

Der Bauhaus-Stil überlebte allerdings und wurde in die Welt getragen. Viele Bauhäusler gingen ins Exil und verbreiteten dort die Lehren und Ansätze. Es entstanden zahlreiche Schulen wie etwa das „New Bauhaus” in Chicago und das „Black Mountain College” in North Carolina. In Tel Aviv wurde die sogenannte „Weiße Stadt” erbaut eine Viertel im Zentrum der Stadt in dem 4000 Häuser von jüdischen Flüchtlingen nach Vorbild des Bauhaus-Stils erbaut wurden. Es ist heute ein UNESCO-Weltkulturerbe und die größte Ansammlung von Bauhaus-Gebäuden weltweit.

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Bauhaus: Ein Stil wird zur Ikone

Was Bauhaus wohl am meisten ausmacht, ist, dass es sich bei diesem Stil um keinen Einheitsbrei handelt. Es gibt zwar prägende Elemente, aber die Ansätze zielen grundsätzlich darauf ab, einen möglichst vielseitigen, interdisziplinären und internationalen Fokus zu schaffen. Es geht vor allem darum, neue Wege, Methoden und Ideen zu finden.

Was umfasst der Bauhaus-Stil?

Wer an Bauhaus denkt, dem fallen wahrscheinlich Stahlrohr-Möbel, klare geometrische Formen und die gezielte Verwendung von Farben ein, aber was genau macht Bauhaus eigentlich aus? Der Stil kann nicht in eine einzelne Schublade gesteckt werden, denn wie schon der fachübergreifende Lehransatz zieht sich der gesamte Stil durch alle Design-Disziplinen. So wurden unter anderem Schriftarten, Möbel, Lampen, Stoffe, Malereien, Bilder, Bühnenbilder, ganze Räume und sogar Gebäude unter dem Namen Bauhaus entworfen und geschaffen. Immer mit dem Grundgedanken, mit einer neuen, pragmatischen und interdisziplinären Sichtweise an die Sache ranzugehen.

Am deutlichsten hat sich Bauhaus wohl im Möbel-Design verankert. Berühmte Stahlrohr-Sessel und runde Tischlampen sind bis heute ein Highlight und liegen nicht nur wegen dem Jubiläum wieder voll im Trend. Möbel im Bauhaus-Stil sind klassisch und eher dezent, daher sind sie oft einfacher zu kombinieren als opulente Designs und sehen zudem sehr zeitlos aus.

Tipp: Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums finden in ganz Deutschland zahlreiche Ausstellung zum Thema Bauhaus statt. Wer speziell an Möbeln interessiert ist, sollte sich die Wilhelm Wagenfeld Ausstellung im Wilhelm Wagenfeld Haus in Bremen nicht entgehen lassen sie findet von 24. Mai bis zum 27. Oktober 2019 statt.

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Bauhaus in der Architektur

Architektur spielt im Bauhaus eine ganz wesentliche Rolle, war doch der ursprüngliche Grundgedanke der Hochschule, alle Handwerks- und Kunst-Disziplinen in der Architektur als Gesamtkunstwerk zu vereinen.

Man spricht oft von einem Bauhaus-Stil, wobei gerade in der Architektur Bauhaus in ganz verschiedene Richtungen ging. Die Ansätze der drei Bauhaus-Direktoren Gropius, Meyer und Mies van der Rohe hatten jeweils einen ganz anderen Schwerpunkt: Gropius konzentrierte sich auf Fertigbauteile, Meyer fokussierte sich auf Bewohner und deren Bedürfnisse und Mies van der Rohe auf die Öffnung von Innen- und Außenbereich.

In Deutschland finden sich zahlreiche Bauhaus-Bauten. Da wären natürlich die beiden Hochschulgebäude in Weimar und Dessau letzteres wurde von Gropius selbst entworfen. Zudem entsteht in diesem Jahr ein neues Bauhaus-Museum in Dessau. Abgesehen davon gibt es in vielen Bundesländern zahlreiche Gebäude im Bauhaus-Stil. Viele Bauhäusler zog es nach Berlin, wo zum Beispiel Mies van der Rohe die Neue Nationalgalerie entwarf; in Potsdam steht Erich Mendelsohns Einsteinturm und in Leipzig gestaltete Josef Albers die große Glasfläche des Grassimuseums für Angewandte Kunst, um nur ein paar der vielen Bauhaus-Adressen in Deutschland zu nennen.

Tipp: Auf der Website des 100-Jahre-Bauhaus-Jubiläums findest du ganz viele Infos zu verschiedensten Gebäuden und etwaige dort stattfindende Veranstaltungen.

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Bauhaus selbst anwenden

Du musst nicht unbedingt selbst von Beruf Designer sein oder dir teure Möbel kaufen, um dem Bauhaus-Stil zu frönen und ein minimalistisches Flair in deinen Design-Kreationen unterzubringen. Hier zeigen wir dir ein paar gängige Anwendungsbeispiele und wie du selbst einfach ein minimalistisches Design-Flair einfangen kannst.

Bauhaus in Schriftarten

Bauhaus-Schriftarten, die rund um diese Zeit entstanden sind oder davon inspiriert wurden, kennzeichnen sich oft durch spannende geometrische Elemente und sind üblicherweise Sans-Serif-Schriftarten. Es gibt auch viele moderne und kostenlose Fonts, die zwar nicht direkt von Bauhaus-Designern gestaltet wurden, aber doch den Stil einfangen.

Ein solches Beispiel wäre da etwa League Spartan entworfen von The League of Movable Type. Sie ist eine aktuelle Weiterentwicklung der beliebten Spartan-Schriftart, die von John L. Renshaw 1939 entwickelt wurde und als Konkurrent zur berühmten Futura-Schriftart gedacht war. Futura wurde 1928 von Paul Renner erschaffen, der sich vom Bauhaus inspirieren ließ.

League-Spartan

Präsentationen im Bauhaus-Stil

Auch beim nächsten Vortrag kannst du mithilfe von Bauhaus etwas herausstechen, indem du deine Präsentation stilecht gestaltest. Es gibt zahlreiche Online-Vorlagen für Präsentationen, die mithilfe von geometrischen Elementen und Schriftarten sowie klassischen Bauhaus-Farben, den Stil gekonnt einfangen.

Hier wäre eine Canva-Vorlage im Bauhaus-Stil, die du einfach nach Belieben umgestalten kannst:

Einladungen

Hochzeitseinladungen im Bauhaus-Stil? Moderne minimalistische Geburtstagseinladungen? Lässt sich alles machen und solche Einladungskarten bringen auch frischen Wind mit, da minimalistische Designs üblicherweise ohne Schnickschnack klar zum Punkt kommen.

Hier wäre eine minimalistische Einladungsvorlage für die nächste Fete, die du mit Canva umgestalten kannst:

Es gibt natürlich noch viel mehr Möglichkeiten das Thema Bauhaus in Eigenkreationen aufzugreifen, das hier sind nur ein paar Beispiele. Wer Lust darauf bekommen hat, lässt sich am besten vom Jubiläums-Hype etwas mitreißen und zu spannenden Designs inspirieren.

Das einzigartige Bauhaus hat sich dank pragmatischer Lösungsansätze und klarer Interpretationen in alle möglichen Kunst- und Designrichtungen eingeschlichen und die vergangenen 100 Jahre stark geprägt. Es würde nicht verwundern, wenn es auch die nächsten 100 Jahre weiterhin mühelos prägt.

Deine Geheimwaffe für beeindruckende Designs