Was bedeutet „Lorem ipsum“ und woher kommt der Design-Text?

Lies hier mehr dazu, woher der bekannte „Lorem ipsum“-Fülltext kommt und welche Bedeutung er eigentlich hat.

Wer regelmäßig mit Design zu tun hat, hat sich an der Phrase „Lorem ipsum“ wohl schon oft stattgesehen. Sie wird schließlich immer und immer wieder als Platzhaltertext in Grafiken und Mock-ups eingefügt. Dies soll es einfacher machen, sich vorzustellen, wie sich Wörter in das finale Design einfügen werden und um zu zeigen, wie das Endprodukt visuell aussehen wird. Aber warum wird genau diese Phrase verwendet und woher kommt der Text eigentlich?

Wir sind diesen Fragen rund um die vermeintlich lateinische Phrase nachgegangen und gehen hier auf die Übersetzung und Bedeutung von „Lorem ipsum“ ein. Zudem haben wir auch ein paar weniger bekannte, aber dafür umso amüsantere Fülltext-Alternativen gefunden.

Wofür verwendet man Blindtexte

„Lorem ipsum“ ist ein sogenannter Blindtext oder Fülltext. Diese werden als Platzhaltertexte verwendet, um ein Design-Layout zu erstellen, bevor der geplante Text verfasst wird. Es gibt mehrere Gründe dafür, warum man Blindtexte braucht und verwendet. Tageszeitungen etwa haben einen sehr kurzen Veröffentlichungsrhytmus und das Design-Team muss sich mit der Chefredaktion täglich absprechen, welche Art von Artikel am jeweiligen Tag veröffentlicht werden. Darauf basierend erstellen sie das Seiten-Layout, ohne einen Großteil der finalen Texte zu haben, da viele oft erst kurz vor Druckschluss eintrudeln.

Ein anderer Verwendungszweck von Blindtexten wäre die Erstellung von Mock-ups – quasi ein Design-Modell, das als Vorlage gestaltet wird, bevor man sich an die finale Version macht. Diese Vorgehensweise kann beispielsweise bei Website- oder Newsletter-Designs hilfreich sein, damit sich der Auftraggeber ungefähr vorstellen kann, wie die Homepage schlussendlich aussehen wird. Falls es nach der Mock-up-Version noch zu Änderungen kommt, hat man nicht schon unnötigerweise Texte verfasst, die man möglicherweise in der neueren Version nicht mehr braucht oder sogar ändern müsste.

Für diese und ähnliche Zwecke ist es gut, Blindtexte oder Fülltexte zu verwenden, um zu wissen, wo und wie sich der schlussendliche Text ins Design einfügen wird. Dies hilft auch Designern und Textern, um zu verstehen, wie das finale Gesamtbild zusammenkommen wird.

Woher stammt die „Lorem ipsum“-Textpassage?

Die volle Phrase von „Lorem ipsum“, die üblicherweise als Textfüller in verschiedenen Abwandlungen verwendet wird, ist folgende:

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Wer Latein in der Schule hatte, wird vielleicht schon erkennen, dass es sich bei diesem Text um keinen wirklich sinnvollen handelt. Obwohl der Absatz sehr nach Latein aussieht und auch zahlreiche lateinische Wörter beinhaltet, ist es tatsächlich kein Textauszug oder verfasster Paragraph.

Die genaue Herkunft und Entstehung von „Lorem ipsum“ ist nicht mehr so einfach nachzuvollziehen. Es wird vermutet, dass der Text eine durchgemischte Version von Textstellen aus Ciceros De finibus bonorum et malorum ist. Dabei handelt es sich um ein fünfteiliges Werk, das der Philosoph, Politiker und Schriftsteller im Jahr 45 v. Chr. verfasst hat.

Im 16. Jahrhundert diente dann scheinbar das beliebte Werk erstmals als Vorlage für den heute so bekannten „Lorem ipsum“-Fülltext. Ein Setzer (ein damals üblicher Beruf bei der Druckherstellung) soll den Text in seine noch heute bekannte Blindtextform umgewandelt haben, um eine Musterseite herzustellen. Erst in den 1980er Jahren hat allerdings der amerikanische Latein-Professor Dr. Richard McClintock den Zusammenhang zwischen dem Fülltext und Ciceros Werk entdeckt.

Mock-up, Vorlage: Wofür verwendet man Lorem ipsum

Bild von picjumbo.com via Canva Photos


Ungefähre Bedeutung von „Lorem ipsum“ auf Deutsch

Man kann dem Fülltext nur eine wage Bedeutung abgewinnen, da eben die Worte und Sätze sehr verändert sind und teilweise keinen Sinn ergeben. Das britische Magazin London Review of Books zitiert Cambridge-Akademiker Jaspreet Singh Boparai, der den Text ins Englische übersetzt hat.

Viel mehr kann man da schon über die Bedeutung des vermeintlichen Originaltextes von Marcus Tullius Cicero sagen. Der deutsche Titel von De finibus bonorum et malorum heißt Über das höchste Gut und das schlimmste Übel und behandelt das Thema Philosophie, wobei Cicero offenbar versuchte einen Vergleich verschiedenster Lehren mehr oder weniger neutral darzustellen.

Eine Stelle aus Ciceros Werk wird immer wieder gerne zitiert, wenn es um den Ursprung von „Lorem ipsum“ geht und zwar folgende: „Neque porro quisquam est, qui dolorem ipsum, quia dolor sit, amet, consectetur, adipisci velit […].“ Auf Deutsch bedeutet das in etwa: „Ferner gibt es auch niemanden, der den Schmerz um seiner Selbst willen liebt, der ihn sucht und haben will, einfach, weil es Schmerz ist […].“

Vermutet wird auch, dass das Wort „dolorem“ einem Seitenumbruch zum Opfer gefallen ist und daraus das nicht-lateinische Wort „lorem“ entstand.

Warum einen Text ohne Bedeutung verwenden?

Dass der „Lorem ipsum“-Textauszug gerne verwendet wird, hat einen guten Grund und zwar soll ein Blindtext nicht vom Design ablenken. Der ideale Fülltext sieht also dank Wortlänge und Buchstabenverteilung so aus wie ein üblicher Fließtext, hat aber keine wirkliche Bedeutung, um nicht den Fokus vom Wesentlichen abzulenken.

Da es sich um einen Blindtext handelt, der keine richtige Bedeutung hat, gibt es auch viele verschiedene Abwandlungen von der oben erwähnten Textphrase und sie wird auch so oft wiederholt wie nötig, um ein Textfeld zu füllen. Der Text kann also ganz einfach und nach Belieben so verändert werden, wie man ihn gerade braucht, ohne abzulenken, ob der Text noch Sinn ergibt.

Heutzutage müssen Designer auch Fülltexte nicht mehr selbst erzeugen, es gibt zahlreiche Blindtext-Generatoren, die je nach Verwendungszweck längere oder kürzere Blindtext erstellen. „Lorem ipsum“ ist auch bei Weitem nicht mehr der einzig vorhandene Fülltext. Mittlerweile wird zum Beispiel auch gerne Ciceros erwähnter Originaltext von Fülltext-Generatoren verwendet und es gibt auch zahlreiche andere Texte, die verwendet werden.

Alternativen zu „Lorem ipsum“

Man kann das Pro und Kontra von Blindtexten lang und breit diskutieren und es scheiden sich definitiv die Geister, ob sie notwendig sind oder nicht. So oder so die Design-Welt hat sich nicht nur mit dem „Lorem ipsum“-Text zufriedengegeben und man findet aktuell so ziemlich jeden möglichen Blindtext-Generator, den man sich nur vorstellen kann.

Von „Bavaria Ipsum“ (für alle, die gerne Bayerisch lesen) über „Veggie Ipsum“ bis hin zu „Cat Ipsum“ findet sich jede Art von Fülltext, die man als Alternative zu „Lorem ipsum“ verwenden kann, sollte man sich an dem fast-lateinischen Vorbild sattgesehen haben. Aber Achtung: Viele dieser Gag-Blindtexte erfüllen nicht mehr den eigentlichen Zweck, ruhig im Hintergrund zu bleiben, sondern regen möglicherweise eher zum Lesen und Schmunzeln an.

Wer sich doch für den Klassiker entscheidet, hat noch einen weiteren klaren Pluspunkt: Moderne Druckprogramme haben oft schon Warnsystem eingebaut, die den Druck verhindern, falls „Lorem ipsum“-Textstellen erkannt werden.

Den Fülltext „Lorem ipsum“ gibt es also schon seit einer ganzen Weile und das nicht ohne Grund. Als gängiger Blindtext, der sich ideal und ohne abzulenken in eine Design-Vorlage einfügt, ist er immer noch beliebt wie eh und je.

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