Was bedeutet Design Thinking?

Du möchtest maßgeschneiderte Produkte entwickeln, die von Usern inspiriert wurden? Der Design Thinking Prozess hilft dir dabei, tolle Innovationen zu schaffen.

Design Thinking ist ein lösungsorientierter Ansatz, um Innovation zu fördern und neue Produkte oder Methoden zu entwickeln, die für den Nutzer besser oder einfacher zu verwenden sind. Wie der Name bereits verrät, bedient sich Design Thinking einiger Prozesse, die im Bereiche der kreativen Gestaltung bereits üblich sind. Diese Prozesse werden nun aber auch von Teams ausgeführt, die aus verschiedenen Fachbereichen stammen.

Woher stammt Design Thinking und was ist es eigentlich?

Die Methode hinter dem Begriff Design Thinking wurde 2007 vom Designer und CEO der Agentur IDEO, David Kelly, im kalifornischen Silicon Valley entwickelt. Hauptziel des Design Thinking Prozesses ist es, sich systematisch an komplexe Probleme heranzutasten und diese durch innovative, jedoch realistische, Ansätze zu lösen.

Der Name leitet sich davon ab, dass man mit der Methode versucht, Probleme aus der Sichtweise eines Designers zu sehen und diese anhand von Schritten, die im Design-Bereich typisch sind, zu lösen. Dabei wird meistens Innovation – also die verbesserte Weiterentwicklung des derzeitigen Zustandes – angestrebt.

Um beurteilen zu können, ob der Design Thinking Prozess als Lösungsansatz angewendet werden sollte bzw. lohnenswert ist, kannst du folgende drei Fragen stellen:

  • Ist dieser Ansatz für den Menschen nützlich?
  • Ist er technologisch derzeit machbar?
  • Ist er im jetzigen Markt und in naher Zukunft wirtschaftlich wettbewerbsfähig und tragbar?

Treffen alle drei Faktoren zu, so liegt die Möglichkeit zur Innovation vor und du kannst den Design Thinking Prozess zur Lösung deines Problems einsetzen.

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Um aber nicht zu abstrakt zu werden, widmen wir uns jetzt dem Design Thinking Prozess Schritt für Schritt und erklären, wie und wo so etwas ablaufen kann bzw. wen und wie viele Personen dazu benötigt werden. Zudem haben wir uns ein einfaches praktisches Beispiel überlegt, um zu zeigen, dass Design Thinking nicht nur in der Software-Entwicklung oder für die Lösung komplexer Probleme angewendet werden kann, sondern dass es auch bei alltäglichen Situationen hilfreich ist.

Wer wird für den Design Thinking Prozess benötigt?

Innovative neue Lösungen sind das Hauptziel von Design Thinking. Diese lassen sich bestmöglich voranzutreiben, wenn es während des Prozesses verschiedene Ansichten und Meinungen gibt. Um dies sicherzustellen, sind interdisziplinäre Teams die optimalste Konstellation. Ein Team könnte zum Beispiel wie folgt aussehen: Eine Person aus dem Vertrieb, jemand aus der Leitung, der Personalabteilung, aus dem Ingenieurwesen und aus der grafischen Gestaltung. Je verschiedener die Arbeitsbereiche und das mitgebrachte Wissen sind, desto eher wird garantiert, dass kein Groupthink Effekt (also kein Gruppendenken) zustande kommt. Außerdem können die verschiedenen Experten somit auch mehrere Bereiche abdecken und aufkommende Informationen dementsprechend verarbeiten.

Sollten alle teilnehmenden Personen aus ähnlichen oder gar gleichen Bereichen kommen, so kann Vielfalt anders garantiert werden. Sollte zum Beispiel das Team nur aus Lehrern bestehen, so wäre es für den Design Thinking Prozess optimaler, wenn sich die Unterrichtsfächer dieser gänzlich unterscheiden. Zusätzlich können andere Faktoren, wie etwa Unterschiede im Alter bzw. in der Erfahrung, die Vielfalt begünstigen. Die Anzahl der Teilnehmer spielt auch eine ausschlaggebende Rolle: In der Regel sind Teams mit bis zu sechs Personen ideal.

Welche Räumlichkeiten und Materialien werden für den Design Thinking Prozess benötigt?

Innovation braucht Raum, um zu entstehen, nicht nur mental, sondern auch räumlich. Um den Gedanken wortwörtlich Freiraum zu geben, sollte der Raum, in dem das Team den Design Thinking Prozess durchgeht, möglichst frei von Hindernissen sein. Möbel sollten zudem frei beweglich und bequem sein. Zum Komfort gehören natürlich auch Snacks und Getränke, denn mit leerem Magen bleiben auch die Gedanken leer.

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Es sollten zudem genügen Whiteboards, Tafeln oder andere Möglichkeiten gegeben sein, um Notizen aufzuschreiben, Mock-ups zu erstellen und auch Ideen zu zeichnen bzw. auszuwählen. Also Stifte, Kreide, Notizzettel, Post-Its, Sticker,... sind alles hilfreiche Utensilien. Zusätzlich ist es praktisch, Materialien da zu haben, mit denen es möglich ist, Ideen in greifbare Beispiele zu gestalten. Lego-Bausteine, Bastelstoffe und Baukästen eignen sich hervorragend, um erste Prototypen zu entwerfen, und helfen dem Team, Ideen zu veranschaulichen.

Los geht’s: Der Design Thinking Prozess

Insgesamt besteht der Prozess aus sechs verschiedenen Stufen, die du mit deinem Team durchgehen kannst. Anfänglich solltest du diese Schritt für Schritt angehen, aber du bist nicht zwangsläufig an die strikte Reihenfolge gebunden. Je nach Informationsgrundlage und Bedarf ist es möglich, Schritte zu überspringen und auch wieder zurückzugehen, um Korrekturen vorzunehmen und Prozesse zu verbessern.

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Design Thinking Schritt 1: Vom Nutzer lernen und diesen beobachten

Um sich an die Lösung des Problems heranzutasten, benötigst du im Design Thinking Prozess Erstinformationen. Dies sind Informationen, die dir fehlen oder auf die du von alleine nicht stoßen würdest. Hierbei bedarf es der Hilfe einer Informationsquelle. Diese kann je nach Problem vollkommen verschieden sein. Zum Beispiel können dies Kunden, Kollegen, Freunde, Kinder und selbst Tiere sein. Natürlich ist es auch möglich, dass Blogeinträge im Internet deine Informationsquelle werden. Wichtig hierbei ist, dass du deine Wissenslücke füllst, in dem du deine eigene Meinung beiseite lässt und dich voll und ganz auf die Informationsquelle konzentrierst. Checklisten sind nützliche Hilfsmittel, um alle wichtigen Fragen durchzugehen.

Praktisches Beispiel (fortlaufend): Du hast festgestellt, dass dir deine Angestellten oder Schüler bei deinen Präsentationen bzw. im Unterricht immer weniger zuhören und du weißt nicht, woran es liegt. Vier deiner Kollegen haben genau dasselbe Problem. Um dies zu lösen, kannst du Feedback direkt anfragen oder indirekt einsammeln. Du schließt dich mit den vier Kollegen zusammen und fängst daher an, mündlich bei den Angestellten bzw. Schülern nach Feedback zu fragen. Dabei nimmst du sowohl das Feedback von denen, die am motiviertesten sind und auch von denen, die dir während deiner Präsentation oder im Unterricht am wenigsten zuhören.

Eine kleine Belohnung könnte hier übrigens zum Mitmachen anregen. Vielleicht ein schöner Laptop-Sticker wie einen von diesen hier?

Design Thinking Schritt 2: Muster erkennen und verstehen

Im nächsten Schritt in der Design Thinking Methode solltest du darauf achten, ob du Muster erkennen kannst. Gibt es in den Informationen, die du erhalten hast, Zusammenhänge oder ähnlich verlaufende Entwicklungen? Wenn ja, dann ist dies ein Anhaltspunkt, um der Lösung einen Schritt näherzukommen. Muster können oft banale Probleme sein, wie etwa fehlende oder zu viele Informationen, und müssen manchmal auch gar keine Probleme sein, sondern sind vielleicht nur Wünsche. Die einzelnen Muster kannst du daraufhin in verschiedene Gruppen unterteilen und anfangen, deren Gemeinsamkeiten zu benennen.

Praktisches Beispiel (fortlaufend): Das erste konkrete Feedback, das ihr bekommt, ist, dass die Präsentationen bei allen Kollegen zu verschieden aussehen und optisch nicht gut lesbar sind. Außerdem wird einem Kollegen und auch dir gesagt, dass keiner von euch Präsentationen ankündigt oder diese mit einem Inhaltsverzeichnis ausgestattet sind. Während du Feedback sammelst, merkst du, dass das meiste mündliche Feedback auch von den Angestellten oder Schülern kommt, die sowieso schon recht aufmerksam zuhören. Diejenigen, von denen du das Gefühl hast, dass sie weniger zuhören, geben dir kaum oder nur vages Feedback. Deine vier Kollegen stellen genau dasselbe Verhaltensmuster bei ihren Befragten fest.

Design Thinking Schritt 3: Grundsätze festlegen und Sichtweise definieren

Im dritten Schritt des Design Thinking Prozesses stellst du nun Sichtweisen und Regeln anhand der gesammelten Informationen und erkannten Muster auf. Keine Sorge, diese müssen nicht hundertprozentig stimmen, denn du wirst die sechs Schritte der Design Thinking Methode öfters durchgehen und dein Ergebnis Schritt für Schritt optimieren. Deine aufgeschriebenen Sichtweisen werden sich auch immer wieder mal ändern, aber bis es soweit ist, dienen sie dir dazu, dich langsam an eine Lösung heranzutasten. Dein Ergebnis könnte aber bereits jetzt schon auf der Hand liegen und du möchtest vielleicht sofort mit dem ersten Test anfangen. Andererseits kann dein Ergebnis auch die Erkenntnis sein, dass du zurück zu Schritt 1 musst, weil dir jetzt erst bewusst geworden ist, dass dir noch Informationen fehlen.

Praktisches Beispiel (fortlaufend): Angestellte bzw. Schüler, die aktiv zuhören, geben auch mündlich Feedback, wenn sie direkt in der Gruppe gefragt werden. Diejenigen, die weniger aktiv zuhören, geben weniger Feedback wenn sie vor der Gruppe direkt angesprochen werden. Du fragst dich daher, wie du mehr Feedback aus den stilleren Personen bekommen könntest und stellst fest, du hast nun ein neues Problem. Du möchtest nicht nur die Aufmerksamkeit der Zuhörer verbessern, sondern du musst eine Lösung finden, um mehr Feedback zu bekommen.

Diese Brainstorming-Vorlage könnte euch dabei helfen, verschiedene Ideen zu sammeln:

Design Thinking Schritt 4: Erste Ideen finden

In dem vierten Schritt der Design Thinking Methode versuchst du, aus den von dir erfassten Problemen nun eine Vorgehensweise und erste Ideen zu entwickeln. Hierbei beachtest du auch alle Auffälligkeiten von den ersten Schritten.

Anfänglich war das Ziel, deine Präsentation zu verbessern, doch nun hat sich ein zweites Ziel entwickelt. Du möchtest noch mehr Feedback bekommen, denn dir ist bewusst, dass du damit dein eigentliches Ziel noch effektiver erreichst. Beziehst du dies nun auf das fortlaufende Beispiel, so könnten dir folgende Ideen einfallen, um deine Präsentation zu verbessern und mehr aktive Zuhörer zu bekommen:

  • Du befragt dein Publikum noch einmal, allerdings mit einer anderen Methode, wie zum Beispiel:
    • Via Online-Umfrage, die anonym ist, sodass jeder die Chance hat sich zu melden.
    • Mithilfe von verteilten Notizblättern, damit jeder, der Feedback abgeben will, dies jederzeit während der Präsentation machen kann.
  • Du kündigst an, dass du nach jeder Präsentation eine zufällige Person auswählst, um zu sehen, wie viel von der Präsentation behalten wurde.
  • Während der Präsentation verteilst du einen Feedbackzettel, der anonym ausgefüllt werden kann.

Du könntest dazu etwa einen Feedback-Bogen gestalten, der die Teilnehmer nach ihren Ideen fragt, wie etwa diese Vorlage hier:

Design Thinking Schritt 5: Prototypen entwickeln

Nun ist es so weit, du setzt die Ideen aus dem vorherigen Schritt in die Tat um. Ein äußerst wichtiger Bestandteil des Design Thinking Prozesses ist ein handfester Prototyp. Auch hier gilt es zu beachten, dass ein Prototyp keine fehlerfreie und finale Version sein muss. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass du beim Prototypen eine einwandfreie Lösung zu deinem Problem gefunden hast, ist eher unwahrscheinlich. Schließlich lässt sich immer Raum für Verbesserung finden.

Praktisches Beispiel (fortlaufend): Bei der nächsten Feedbackrunde wird klar, dass viele Zuhörer Probleme haben, den Präsentationen zu folgen, da sie nie wissen, worum es genau geht. Euer Team hat sich daher dafür entschieden, euren Präsentationen ab sofort ein klares Inhaltsverzeichnis hinzuzufügen und bei mehrere Präsentationen hintereinander Programmabläufe an alle Angestellten bzw. Schüler auszuteilen. Zudem werden Merkblätter ausgeteilt, die als Lesezeichen dienen sollen, damit die Zuhörer beim nächsten Mal wissen, wo sie wieder anschließen können.

Ein Programmablauf oder ein Inhaltsverzeichnis kann für mehr Aufmerksamkeit sorgen, da alle sofort wissen, worum es geht. Hier haben wir zwei schlichte Beispiele:

Design Thinking Schritt 6: Testen und Wiederholen

Als finalen Schritt des Design Thinking Prozesses gilt es nun, den Prototypen zu testen. Zwar ist dies der letzte Schritt der Methode, jedoch bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass die Lösung des Problems nun gefunden wurde. Vielmehr hast du nun die Möglichkeit, endlich deine Ideen und Vermutungen zu testen und gelangst so zu neuen Informationen. Mit den neu erlangten Informationen kannst du danach den ganzen Design Thinking Prozess noch mal durchgehen. Ganz von vorne anzufangen wird nicht immer notwendig sein. Du kannst auch direkt in andere Schritte des Prozesses eingreifen und Änderungen vornehmen.

Praktisches Beispiel (fortlaufend): Nach mehreren Durchgängen des Design Thinking Prozesses, habt ihr als Team verschiedene Anpassungen vorgenommen, um die Präsentationen aufzubessern. Es hat sich herausgestellt, dass viele der Angestellten bzw. Schüler die Präsentationen langweilig fanden. Dies lag zum einen an eintönigen Slides, zum anderen an einem Mangel an Struktur wie etwa einem fehlenden Inhaltsverzeichnis. Daher wurde zunächst die Typographie angepasst und es wurde stärker auf die Harmonie der Farben in den Slides geachtet.

Es kann sich lohnen, eine Präsentationsvorlage zu gestalten, die untypischen Business-Charakter hat und sich selbst nicht allzu ernst nimmt, wie diese Vorlage hier:

Man muss kein Designer sein, um Probleme kreativ wie ein Designer zu lösen. Der Design Thinking Prozess hilft dir und deinem Team, euer Wissen und eure Fähigkeiten zusammenzulegen und damit Innovation zu schaffen, selbst dort, wo manchmal gar keine in Sicht ist.

Canva kann euch übrigens super beim Design Thinking Prozess unterstützen: So gibt es zahlreiche Vorlagen für verschiedenste Dokumententypen, sodass ihr schnell einen Prototyp erstellen könnt, und auch für die Informationsbeschaffung bietet Canva die Möglichkeit, Checklisten und Fragebögen zu erstellen. Viel Spaß beim Innovieren!

Deine Geheimwaffe für beeindruckende Designs