9 Fotografie-Tipps für Nachtaufnahmen & Langzeitbelichtung

In der Fotografie gibt es kaum etwas, das für Anfänger so herausfordernd ist wie Nachtaufnahmen – hier haben wir neun praktische Tipps für dich.

Nachtaufnahmen und Fotos mit Langzeitbelichtung so richtig toll aussehen zu lassen, kann für Fotografie-Anfänger eine ziemliche Herausforderung sein. Du musst die richtigen ISO-Werte finden, dich mit Blende und Belichtungszeiten befassen und noch so manches andere Detail beachten. Um dir dabei zu helfen, haben wir hier neun einfache Techniken für dich zusammengestellt, die du bei deinem nächsten Shooting sofort anwenden kannst. Falls du schon viele der generellen Fotografie-Tipps und -Tricks kennst und dir hier die Grundlagen der Nachtfotografie erst mal verinnerlicht, wirst du sehen, wie leicht es tatsächlich ist, coole Fotos bei Dunkelheit zu schießen, auf die du so richtig stolz sein kannst.

01. Ohne Stativ geht es nicht

Bevor du dich an Nachtaufnahmen und Fotos mit Langzeitbelichtung versuchen kannst, benötigst du zuerst einmal ein stabiles Stativ. Um schöne Fotos im Dunkeln zu schießen, musst du lange Belichtungszeiten einsetzen, was bedeutet, dass deine Kamera für längere Zeit vollkommen still stehen muss – etwas, das per Hand oder mit schlechtem Zubehör nicht möglich ist. Hol dir am besten ein Stativ, das auch schwere Kameras problemlos halten kann, vorzugsweise eines aus Aluminium (oder Kohlefaser, falls dein Budget das erlaubt), sodass die Halterung leicht, aber dennoch beständig ist.

Canva - Man Taking a Photo Using Camera With Tripod

Bild von Hoover Tung via Canva Photos

Hast du erst mal ein gutes Stativ, dann nutze die eingebaute Wasserwaage, um sicherzustellen, dass es auch tatsächlich gerade steht. Alternativ kannst du auch einfach den virtuellen Horizont deiner Kamera (üblicherweise im Kameramenü zu finden) aufrufen, um deine Ausrüstung auszurichten.

Bonus-Tipp: Ein (flexibler) Mini-Tripod erlaubt es dir, auch aus ungewöhnlichen Winkeln Fotos zu schießen, da du sie dort einsetzen kannst, wo reguläre Stative eher hinderlich sind. Schieße etwa Nachtaufnahmen fast vom Boden aus oder falls du ein bewegliches Mini-Stativ hast, kannst du es vielleicht sogar an einem Baum befestigen.

02. Verwende den manuellen Fokus

Auch wenn der Autofokus moderner Kameras sehr zuverlässig ist, bei Nachtaufnahmen kann man sich leider nur bedingt auf ihn verlassen, da es durch die Dunkelheit schwierig wird, einen Punkt zum Scharfstellen zu finden. Nutzt du hingegen den manuellen Fokus, stellst du sicher, dass deine Kamera nicht zufällig auf irgendeinen Punkt deiner Aufnahme scharf stellt, sondern genau jenen, den du haben möchtest.

Canva - Person Holding Lens Focus Photography

Bild von SplitShire via Canva Photos

Stelle deinen manuellen Fokus auf unendlich (das ∞-Symbol an deiner Linse). Um sicherzugehen, dass die Umgebung, die du ablichten möchtest, glasklar dargestellt wird, schalte den Live-View-Modus deiner Digitalkamera ein und drücke die Zoom-in-Taste (die Taste mit dem Lupen-Symbol). Vergrößere nun jenes Objekt, das du in den Fokus stellen möchtest und passe dann den Fokus solange an, bis alles vollkommen scharf ist.

Schalte nun während des gesamten Foto-Shootings nicht mehr in den Autofokus, da du sonst sämtliche manuellen Einstellungen überschreibst und von vorne beginnen musst. Diese Technik mag anfangs ein wenig Übung benötigen, ist aber bei schlechten Lichtverhältnissen viel verlässlicher als der Autofokus.

03. Nutze möglichst niedrige ISO-Werte

Hohe ISO-Werte für Nachtaufnahmen zu verwenden, mag auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen, erhöht aber auch das Bildrauschen in deinen Aufnahmen. Die neuesten High-End-Kameras sind heutzutage so fortgeschritten, dass sie es dir auch möglich machen, rauschfreie Bilder bei extrem hohen ISO-Werten (bis zu ISO 3200 oder mehr) zu schießen. Bei den meisten leistbaren Kameras mit limitierter Lichtempfindlichkeit lohnt es sich aber, dich an einen niedrigeren ISO-Wert zu halten.

Canva - Night Photography

Bild von Roy Reyna via Canva Photos

Mach dich mit den Möglichkeiten der ISO-Werte deiner Kamera vertraut – am besten, indem du ein paar Testaufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen schießt. Schau dir die Fotos an und finde heraus, ab welchem ISO-Wert die Bilder für deine Art von Aufnahmen zu stark zu rauschen beginnen. Wenn die Motive auf deinen Fotos bei beispielsweise ISO 1600 kaum noch erkennbar sind, bleibe für alle weiteren Aufnahmen mit den ISO-Werten darunter.

Nur weil deine Kamera mit bis zu ISO 25000 aufnehmen kann, heißt das noch lange nicht, dass du diese Einstellung auch wirklich nutzen solltest. Da du ein Stativ verwendest, bist du auch mit niedrigeren ISO-Werten auf der sicheren Seite für klare Fotos. Anstatt also den ISO-Wert hochzuschrauben, verlass dich lieber auf längere Belichtungszeiten und weitere Blenden. ISO 100 mag für Nachtaufnahmen eher ungeeignet sein, aber ISO 400, 800 oder 1600 sollten für die meisten Situationen vollkommen ausreichen.

04. Fotografiere im RAW-Format

JPEG ist das perfekte Bildformat für die meisten Hobby-Fotografen, da die Bilddateien nicht allzu viel Speicherplatz benötigen und die Fotos direkt hochgeladen werden können, ohne sie erst konvertieren zu müssen. Das alles hat aber auch Nachteile: JPEG komprimiert deine Bilddateien stark, was gerade bei Aufnahmen von Szenerien mit einer hohen Dynamic Range, also bei kontrastreichen Umgebungen, zum Problem werden kann.

Canva - Close-up Photography of Grass at Night

Bei Nachtaufnahmen sowie Fotos mit hoher Belichtungszeit schalte deine Kamera besser in den RAW-Aufnahmemodus. RAW-Dateien benötigen viel Speicherplatz und deine Fotos müssen nach der Aufnahme noch bearbeitet werden, aber die Qualität deiner Bilder bleibt somit vollständig erhalten und du kannst auch noch einiges im Nachhinein gestalten und mit deinen Fotos herumspielen.

RAW ist die beste Option, wenn es darum geht, Bildrauschen aufgrund schlechter Lichtverhältnisse und exzessiver Nachbearbeitung zu vermeiden. Anders als JPEGs, behalten RAW-Dateien ihre Qualität nämlich auch nach der Bearbeitung bei. Bist du mit dem Editieren fertig, kannst du deine RAW-Fotos immer noch in jedes andere Format, wie etwa JPEG oder PNG, umwandeln.

Bonus-Tipp: Canva bietet übrigens einen Photo Editor, mit dem du deine Bilder rasch bearbeiten kannst. Du kannst deine Fotos zuschneiden und drehen, Kontrast, Helligkeit und Sättigung einstellen bzw. Filter hinzufügen. In Canva kannst du zudem noch Sticker und Animationen hinzufügen oder dein Bild in verschiedensten Design-Vorlagen verwenden.

05. Mache Testaufnahmen

Anders als bei Tagesaufnahmen, musst du bei Nachtaufnahmen ein wenig systematischer vorgehen. Bei schlechten Lichtverhältnissen kannst du nicht einfach den Auslöser drücken, sondern musst die genauen Einstellungen deiner Kamera kennen – und das geht nur dann, wenn du vorher schon einige Testaufnahmen gemacht hast.

Canva - Photography of Man Taking Photograph

Bild von Darrel Und via Canva Photos

Testaufnahmen erlauben es dir, auf kreative Art und Weise zu experimentieren. Falls du dich beispielsweise fragst, ob es mit deiner Kamera möglich ist, Lichtstreifen aufzunehmen, dann spiel doch ein wenig mit den Einstellungen herum und finde heraus, wie du das Bild deiner Vorstellungen schießen könntest. Versuche dich zudem auch an unterschiedlichen Perspektiven und Winkeln, um deine Fotos interessanter zu gestalten.

Test-Shootings bieten dir zudem die Chance, die Einstellungen deiner Kamera genau anzupassen. Wenn deine ersten Bilder ein wenig zu dunkel werden, dann ändere die Settings einfach so lange, bis alles deinen Wünschen entsprechend aussieht. Experimentiere mit unterschiedlichen ISO-Werten, Blenden und Belichtungszeiten. Am besten schießt du hierfür zunächst mal ein Foto mit entweder Zeit- oder Blendenautomatik (dabei legst du entweder die Blende bzw. Apertur – Modus A – oder Belichtungsdauer bzw. Shutter Speed – Modus S – manuell fest, während der jeweils andere Wert automatisch bestimmt wird). Sieh dir danach beide Werte an und passe sie schrittweise an, bis du die ideale Belichtung gefunden hast. Solltest du eine schnellere, etwas raffiniertere Methode nutzen wollen, kannst du auch Belichtungsreihen erstellen.

06. Erstelle Belichtungsreihen

Die perfekten Belichtungseinstellungen für Nachtaufnahmen oder Fotos mit Langzeitbelichtung zu finden, kann eine richtige Herausforderung darstellen. Vermeide es, allzu viel herumraten zu müssen, indem du deine Aufnahmen als Belichtungsreihen aufnimmst. Diese Technik erlaubt es dir, eine ganze Serie an Fotos mit unterschiedlichen Belichtungseinstellungen zu schießen, wobei jedes Bild schrittweise heller oder dunkler wird. Idealerweise erhältst du so dann zumindest ein Foto, das so aussieht, wie du dir das vorstellst.

Canva - Long-Exposure Shot Of Lights

Bild von Darius Krause via Canva Photos

Belichtungsreihen kannst du entweder manuell oder automatisch erstellen. Um manuelle Bildreihen zu schießen, stelle deine Kamera auf entweder Zeit- (A) oder Blendenautomatik (S) und schieße ein normales Bild. Danach verwendest du die Belichtungskorrektur (die Taste mit +/-), um die Belichtung bei allen folgenden Schnappschüssen schrittweise anzupassen. Bei der automatischen Bildreihe macht deine Kamera dies von selbst; die Einstellung dafür findest du üblicherweise im Kameramenü.

Mit der Bildreihen-Funktion kannst du aber nicht nur eine Auswahl an Belichtungsvarianten testen, du kannst sie auch dafür nutzen, High Dynamic Range (HDR) Bilder, also Hochkontrastbilder, zu erstellen. Indem du mehrere Fotos mit unterschiedlichen Belichtungen in einem Bildbearbeitungsprogramm kombinierst, kannst du somit eine Belichtungsbandbreite abbilden, die gewöhnliche Kameras mit einem einzigen Foto nicht einzufangen vermögen. Das Resultat sind Bilder, die viel näher an das herankommen, was das menschliche Auge tatsächlich wahrnimmt.

07. Verwende Zeitautomatik (A) für unbewegliche Objekte

Falls du dich mit dem Manuellen Modus noch nicht ganz sattelfest fühlst, dann beginne doch erst einmal mit dem Zeitautomatik-Modus – üblicherweise mit A markiert. Aufnahmen in diesem Modus lassen dich die Blende frei wählen, während die Belichtungszeit automatisch festgelegt wird.

Canva - Photography of a City at night

Bild von Min An via Canva Photos

Der Zeitautomatik-Modus ist die schnellste Art, Nachtaufnahmen zu schießen. Hast du deine Kamera erst mal in den richtigen Modus geschaltet und eine weite Blende gewählt, bist du auch schon bereit, tolle Fotos zu machen. Solange sich deine Motive nicht bewegen, sollte dabei nichts schiefgehen.

Der Zeitautomatik-Modus ist aber auch perfekt, um generell statische Szenen wie Gebäude oder Landschaften abzulichten. Da dieser Modus die Belichtungszeit jedoch immer automatisch festlegt, ist es schwierig, schon im Voraus zu wissen, ob sich bewegende Objekte (wie beispielsweise Menschen oder Autos) dabei verschwommen oder scharf abgebildet werden. Möchtest du mehr Kontrolle über deine Fotografien, musst du also in den Manuellen Modus oder den Blendenautomatik-Modus (S) umschalten.

08. Experimentiere mit verschiedenen Belichtungszeiten

Wenn du bewegliche Objekte wie beispielsweise Autos ablichten möchtest, dann schalte in die Blendenautomatik (S). Wählst du nun eine beliebige Belichtungszeit, wird die Apertur oder Blende von deiner Kamera automatisch festgelegt.

Dieser Modus hilft dir dabei, eindrucksvolle Bilder mit Lichtstreifen und traumhafte nächtliche Landschaften abzubilden. Einmal mehr solltest du vor deiner Fotosession allerdings mit ein paar Testaufnahmen starten. Um farbenfrohe Lichtströme zu fotografieren, stelle deine Kamera auf eine hohe Belichtungszeit (von 1/30 bis zu vollen 30 Sekunden), und beachte, dass die Lichtströme länger werden, je länger die Belichtungszeit ist.

Canva - Timelapse Photography of Stars at Night

Bild von InstaWalli via Canva Photos

Die weiteste Blende für Langzeitbelichtungen zu verwenden, ist nicht nötig. Manchmal kann dies sogar dazu führen, dass dein Bild überbelichtet wird – du würdest dich wundern, wie viel Licht deine Kamera selbst bei schlechten Lichtverhältnissen aufnehmen kann. Wenn du im Blendenautomatik-Modus fotografierst, schau dir an, welche Blende deine Kamera gewählt hat, und du wirst sehen, dass sie womöglich bloß geringe Öffnungsgrade wie etwa f/22 für Aufnahmen mit einigen Sekunden festlegt.

Der Blendenautomatik-Modus eignet sich auch perfekt für Schnappschüsse des nächtlichen Himmels. Typische Belichtungszeiten für Sternenfotos liegen dabei zwischen 10 und 30 Sekunden. Vergiss aber nicht, dass sich die Sterne im Laufe der Nacht langsam über den Himmel bewegen – belichtest du also lange genug, bilden sich Lichtströme am Foto. Auch mit dem Bulb-Modus („Glühbirnen“-Modus) kannst du tolle Sternenbilder ablichten.

09. Versuch dich an Aufnahmen im Bulb-Modus

Die längste mögliche Belichtungszeit der meisten Kameras liegt bei 30 Sekunden; ab und an könnte es jedoch sein, dass du gerne auch Aufnahmen machen willst, die ein längere Belichtungszeit benötigen – und genau hier kommt der Bulb-Modus ins Spiel. Diese Funktion erlaubt es dir, deine Fotos beliebig lange zu belichten.

Bei den meisten Kameras findest du den Bulb-Modus nach 30” im Manuellen Modus. Verwendest du ihn, überschreibt er effektiv sämtliche automatischen Einstellungen deiner Kamera – du musst dich dabei also mit dem Manuellen Modus wohlfühlen.

Light Painting With Color and Tube Lighting

Bild von Katrina Brown via Canva Photos

Da du hier länger als 30 Sekunden belichtest, wähle eine kleinere Blende, beispielsweise f/8, f/11 oder sogar f/22 für Belichtungen von mehreren Minuten. Wenn du kleinere Blenden verwendest, verringerst du die Gefahr von überbelichteten Aufnahmen. Für extrem lange Belichtungszeiten kannst du zudem den kleinstmöglichen ISO-Wert deiner Kamera wählen. Wie bei allen Modi, die wir in diesem Artikel behandeln, solltest du aber auch hier auf jeden Fall ein paar Testaufnahmen schießen, um dich mit den Einstellungen und ihren Auswirkungen vertraut zu machen.

Der Bulb-Modus verlangt dir etwas mehr Selbstvertrauen als andere Modi ab, erlaubt es dir aber auch, frei herumzuexperimentieren. Da du hier beliebig lange Belichtungszeiten nutzen kannst, bietet sich der Modus auch perfekt zum „Lichtmalen“ an – also dem „Zeichnen“ in der Luft mittels einer Lichtquelle, beispielsweise einer Taschenlampe. Das Resultat sind mitunter unwirklich schöne Lichtstrom-Bilder in den ausgefallensten Formen.

Hast du jetzt so richtig Lust bekommen, dir deine Kamera zu schnappen und heute Abend tolle Nachtaufnahmen zu schießen? Oder suchst du noch nach Motivideen? Stöbere doch einfach durch die Bilddatenbank von Canva und lass dich inspirieren. Und wenn du deine Kunstwerke danach auch noch für Social Media, Fotokalender, deine Website oder die eine oder andere Grußkarte aufbereiten möchtest, dann hilft dir unser praktisches Canva Design-Tool dabei. Viel Spaß beim Experimentieren und Fotografieren!

Deine Geheimwaffe für beeindruckende Designs